Kellerfalten und Quetschfalten: Der kleine Unterschied mit großer Wirkung
Falten sind beim Nähen viel mehr als nur ein technisches Detail. Sie geben einem Kleidungsstück Form, Bewegung und Volumen. Gerade bei Röcken, Kleidern oder Blusen können Falten die gesamte Silhouette verändern. Zwei Begriffe tauchen dabei besonders häufig auf: Kellerfalte und Quetschfalte.
Auf den ersten Blick wirken beide Faltenarten sehr ähnlich. Beide entstehen dadurch, dass Stoff nach innen gelegt wird. Trotzdem gibt es Unterschiede in der Wirkung, im Einsatz und in der Art, wie die Falte konstruiert wird. Ein genauer Blick lohnt sich.
Was ist eine Kellerfalte?
Eine Kellerfalte ist eine Falte, bei der zwei Faltenbrüche von außen zur Mitte hin laufen und sich dort treffen. Der überschüssige Stoff liegt auf der linken Stoffseite nach innen. Von außen sieht die Kellerfalte dadurch sehr ruhig, symmetrisch und sauber aus.
Typisch für die Kellerfalte ist ihre klare Mitte. Sie wirkt ordentlich, kontrolliert und oft etwas klassischer. Deshalb wird sie gerne als einzelnes Gestaltungselement eingesetzt, zum Beispiel in der vorderen Mitte eines Rocks, am Rückenteil einer Bluse oder als Detail bei einem Kleid.
Eine Kellerfalte kann einem Schnitt Weite geben, ohne dass das Kleidungsstück zu verspielt wirkt. Sie bleibt eher zurückhaltend und öffnet sich erst durch Bewegung.

Was ist eine Quetschfalte?
Die Quetschfalte ist der Kellerfalte sehr ähnlich, wird aber anders gelegt und eingesetzt. Auch hier treffen zwei Faltenbrüche zur Mitte hin aufeinander. Der Stoff wird von beiden Seiten nach innen gelegt und in der Mitte „zusammengeschoben“. Dadurch entsteht eine Falte mit viel Stofftiefe.
Der Begriff Quetschfalte wird verwendet, wenn mehrere solcher Falten nebeneinander liegen. Bei Röcken entsteht dadurch eine gleichmäßige Faltenaufteilung rund um den Bund. Das Ergebnis ist mehr Volumen, mehr Stand und eine schöne, plastische Silhouette.
Ein gutes Beispiel dafür ist mein Schnittmuster Rock SIMONE. Der Rock arbeitet mit Quetschfalten und bekommt dadurch seine besondere Form. Die Falten sitzen direkt unter dem Bund und öffnen sich nach unten in den Rock. Je nach Stoff verändert sich die Wirkung deutlich: Stoffe mit Stand, wie Jacquard oder festere Baumwollstoffe, geben SIMONE mehr Volumen und machen den Rock zu einem echten Statement. Fließende Stoffe, wie Viskose oder weichere Webware, lassen die Falten weicher fallen und wirken weniger ausgestellt.
Wann kommt welche Falte zum Einsatz?
Eine Kellerfalte eignet sich besonders gut, wenn eine einzelne, klare Falte gewünscht ist. Sie bringt Weite in ein Kleidungsstück, ohne sofort sehr auffällig zu wirken. Deshalb passt sie gut zu schlichten Schnitten, bei denen ein dezentes Detail ausreicht.
Quetschfalten kommen gerne zum Einsatz, wenn mehr Volumen entstehen soll. Besonders bei Röcken sorgen sie dafür, dass der Stoff schön aufspringt und der Schnitt mehr Präsenz bekommt. Mehrere Quetschfalten nebeneinander erzeugen eine gleichmäßige Weite und geben dem Kleidungsstück eine lebendige Form.
Entscheidend ist also nicht nur die Technik, sondern auch die gewünschte Wirkung. Soll die Falte eher ruhig und zurückhaltend sein, passt eine Kellerfalte sehr gut. Soll das Kleidungsstück mehr Volumen, Bewegung und Ausdruck bekommen, sind Quetschfalten oft die bessere Wahl.
Wie kann man Kellerfalten und Quetschfalten unterscheiden?
Von der rechten Stoffseite sehen Kellerfalten und Quetschfalten oft fast gleich aus. Genau das macht die Unterscheidung manchmal schwierig. Beide zeigen zwei Faltenbrüche, die zur Mitte laufen.
Der Unterschied zeigt sich vor allem im Zusammenhang. Eine Kellerfalte wird als einzelne Falte eingesetzt. Eine Quetschfalte dagegen wird oft mehrfach nebeneinander gearbeitet, besonders bei Röcken. Sie ist dann Teil der gesamten Konstruktion und sorgt für die Weite des Schnitts.
Auch beim Nähen und Berechnen ist der Unterschied wichtig. Eine Quetschfalte benötigt relativ viel Stoff, weil auf beiden Seiten Stoff nach innen gelegt wird. Bei einem Rockschnitt lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die vorgesehene Faltenart: Sie bestimmt, wie der Stoff gelegt wird, wie viel Volumen entsteht und wie die Silhouette später wirkt.
Die Stoffwahl verändert die Wirkung
Bei beiden Faltenarten spielt der Stoff eine große Rolle. Ein fester Stoff hält die Falten klarer und betont die Form stärker. Dadurch wirken Kellerfalten sehr präzise und Quetschfalten besonders plastisch.
Weich fallende Stoffe lassen Falten weniger streng wirken. Sie fließen mehr, öffnen sich sanfter und geben dem Kleidungsstück eine ruhigere Bewegung. Gerade bei Röcken entscheidet die Stoffwahl deshalb stark darüber, ob der Look eher elegant, lässig oder auffällig wird.
Beim Rock SIMONE lässt sich dieser Unterschied besonders schön zeigen. Der Schnitt bleibt derselbe, aber der Stoff verändert den Charakter. Mit einem Stoff mit Stand bekommt der Rock mehr Volumen. Mit einem weicheren Stoff wirkt er zurückhaltender und fließender.






